Forschergruppe Zeithorizonte Demokratischer Politk

Zeit ist eine zentrale Dimension demokratischer Politik. Wesentliches Merkmal demokratischer Herrschaft ist ihre zeitliche Befristung. Der demokratisch gewählte Repräsentant handelt somit stets im Bewusstsein, dass der Zeitraum, der ihm zur Erfüllung seines Mandats gegeben ist, ein endlicher und unter Umständen kurzer ist. Darüber hinaus kooperiert und konkurriert er mit politischen Akteuren, deren Zeithorizonte unterschiedlich bemessen sein können. Den hieraus resultierenden Koordinationsproblemen und Wettbewerbslogiken gegenüber steht der normative Anspruch an Demokratie, nachhaltige Lösungen auf langfristige gesellschaftliche Probleme zu produzieren. Demokratische Politik vollzieht sich somit in einem komplexen Spannungsfeld, das von verschiedenen zeitlichen Aspekten geprägt ist. Vor diesem Hintergrund wird in der politikwissenschaftlichen Literatur verstärkt eine theoretische und empirische Auseinandersetzung mit dem Thema Zeit in der Politik gefordert. Wenngleich bestehende Ansätze, wie etwa der historische Institutionalismus, eine generelle Sensibilität gegenüber der Problematik von Zeithorizonten und Zeit als kausalem Faktor aufweisen, ist eine systematische Analyse unterschiedlicher Zeithorizonte politischer Akteure und deren Auswirkungen bislang unterblieben. Besonders der jüngeren Forschung zur Zukunftsfähigkeit von Demokratien ist eine mangelnde analytische Konzeptualisierung demokratischer Zeithorizonte attestiert worden. Dieses Defizit aufzuarbeiten und so langfristig die Entwicklung einer Theorie von Zeit als inhaltlich bedeutsamer, eigenständiger Variable in der Analyse von demokratischer Politk zu ermöglichen, ist das zentrale Forschungsziel der Forschergruppe Zeithorizonte Demokratischer Politik.